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StayNeeded-Faktor · Fassung v5

Wie der StayNeeded-Faktor entsteht

Eine Frage, vier Wörter, zwei Quellen, ein Rechenweg.

Der Faktor beantwortet für jeden Beruf dieselbe Frage: Gibt es Fähigkeiten, die dieser Beruf braucht und die Technik nicht erreicht — auch dann nicht, wenn Künstliche Intelligenz noch einen Schritt zulegt? Die Antwort ist ein Wort, keine Zahl.

Was der Faktor nicht ist: keine Vorhersage, ob ein Beruf bleibt oder verschwindet. Keine Wahrscheinlichkeit. Keine Aussage über einen einzelnen Menschen in seinem Beruf. Er beschreibt den Abstand zwischen dem, was ein Beruf verlangt, und dem, was Technik heute kann — gemessen an veröffentlichten Daten, mit allen Grenzen, die weiter unten stehen.

Eine eigene Systematik auf fremden Daten

Beides gehört nebeneinander, und beides stimmt. Die Messwerte sind fremd: Sie stammen aus zwei veröffentlichten Datensätzen, die wir nicht erhoben haben und nicht verändern. Die Systematik ist unsere eigene — welche Werte wir heranziehen, wie wir sie zu Gruppen zusammenfassen und wo die Grenze zwischen zwei Wörtern liegt, entscheidet StayNeeded.

Wir übernehmen dabei kein bestehendes Bewertungsmodell eins zu eins. Das ist eine Stärke und eine Grenze zugleich: Die Zusammenstellung ist auf deutsche Berufe und auf die Frage zugeschnitten, die hier gestellt wird — aber sie ist auch nicht von außen geprüft.

Was die Fassungsbezeichnung nicht ist. „v5“ ist der interne Name eines internen Verfahrens, wie eine Software eine Fassungsnummer trägt. Es ist keine Norm, kein Standard und nichts, was von dritter Seite bestätigt wäre: Das Verfahren ist weder extern zertifiziert noch behördlich geprüft.

Vier Wörter, und was sie bedeuten

Auf jeder Berufsseite steht eines dieser vier Wörter. Dahinter liegt jeweils eine Aussage über Fähigkeitsgruppen, die wir gleich erklären.

  • STAYNEEDEDFAKTORStark

    breit auf Menschen angewiesen

    Gleich mehrere Fähigkeiten, bei denen Technik noch weit weg ist.

  • STAYNEEDEDFAKTORGut

    im Kern auf Menschen angewiesen

    Die wichtigsten Leistungen brauchen eine Fähigkeit, die Technik nicht erreicht.

  • STAYNEEDEDFAKTORMittel

    am Rand auf Menschen angewiesen

    Der Kern ist technisch gut abgedeckt, einzelne Leistungen bleiben menschlich.

  • STAYNEEDEDFAKTORWenig

    kein Grund gefunden

    Unsere Daten zeigen keine Fähigkeit, die klar beim Menschen bleibt.

Was „Wenig“ nicht heißt. Nicht „hier wird kein Mensch mehr gebraucht“, sondern: Unsere Daten zeigen keinen Grund, der klar beim Menschen bleibt. Das kann daran liegen, dass es keinen gibt — oder daran, dass die Daten ihn nicht abbilden. Von außen sind beide Fälle nicht zu unterscheiden, und deshalb sagen wir genau das und nicht mehr.

Dazu gibt es „Offen“. Für diesen Beruf fehlen die Quelldaten. Wir setzen dann keinen Ersatzwert aus einem ähnlichen Beruf ein: Lieber kein Wert als ein fremder. Ein solcher Beruf bleibt sichtbar unvollständig.

Zwei Quellen, beide offengelegt

Der Faktor rechnet mit zwei veröffentlichten Datensätzen. Beide sind frei zugänglich, beide sind mit Prüfsumme festgehalten, und beide stehen unter ihrem Namen auf jeder Berufsseite.

Was ein Beruf verlangt
O*NET Database 31.0, Task-, Kontext- und Fähigkeitsdaten
O*NET Resource Center / US Department of Labor · Fassung 31.0
Wo Technik zurückliegt
OECD AI Capability Gap Index, public data workbook (Begleitdaten zu OECD AI Papers No. 59)
OECD, Directorate for Education and Skills · Fassung 2026 (Workbook 11.06.2026)

Enthält Informationen des O*NET Resource Center, U.S. Department of Labor, Employment and Training Administration (USDOL/ETA), verwendet unter CC BY 4.0. O*NET® ist eine Marke von USDOL/ETA. StayNeeded hat Teile der Informationen verarbeitet/abgeleitet; USDOL/ETA hat diese Verarbeitung nicht geprüft oder gebilligt.

Daten: OECD (2026), AI Capability Gap Index, Begleitdaten zu OECD AI Papers No. 59, DOI 10.1787/f3da0f0a-en, verwendet unter CC BY 4.0. StayNeeded hat diese Daten ausgewertet und abgeleitet; die OECD hat diese Auswertung nicht geprüft oder gebilligt.

Die Kette hat ein schwaches Glied, und wir benennen es. Ein StayNeeded-Beruf ist ein deutscher Beruf; die Fähigkeitsdaten hängen an US-amerikanischen Berufsprofilen. Jede Zuordnung ist eine Entscheidung mit Datum, getroffen von einem Menschen. Wo sich keine tragfähige Entsprechung finden ließ, bleibt die Zuordnung leer — ein grob passender Nachbarcode ist nicht eintragbar, das verhindert eine Regel in der Datenbank.

Kein Wert aus einem Sprachmodell. In die Rechnung gehen ausschließlich Fähigkeiten ein, die eine versionierte Messwertinventur als zwingend nötig führt. Es gibt daneben Abstufungen, die ein Sprachmodell erzeugt hat; sie berühren weder das Wort noch seine Begründung. Das ist keine Absichtserklärung, sondern eine Eigenschaft der Ladeabfrage — und bei jeder Erweiterung neu zu prüfen.

Kopf, Hand, Gestalten

Die Quelle misst den Abstand zwischen Mensch und Technik in mehreren Fähigkeitsbereichen. Wir fassen sie zu drei Gruppen zusammen:

  • Kopf — Sprache, Problemlösen, das eigene Denken prüfen, Wissen und der Umgang mit Menschen.
  • Hand — Sehen, Handgeschick und Bewegung in einer Umgebung, die sich ändert.
  • Gestalten — Neues entwerfen, wo es keine Vorlage gibt.

Die Gruppen sind gemessen, nicht gesetzt. Über alle bewerteten Berufe hängen die Bereiche einer Gruppe eng zusammen — Problemlösen und das Prüfen des eigenen Denkens fast vollständig. Sie einzeln zu zählen hieße, denselben Grund mehrfach zu werten. Gestalten hängt mit keinem anderen Bereich zusammen und steht deshalb für sich.

Ein Befund über die Quelle, der uns selbst überrascht hat: Gestalten trägt fast nie allein. Wer daraus schließt, Kreativität sei ersetzbar, liest mehr hinein, als dort steht — gemessen wird ein Abstand zwischen Werten, nicht der künstlerische Wert einer Arbeit.

Gerechnet wird mit einer KI, die zulegt

Der Faktor nimmt nicht den Stand von heute. Er rechnet mit dem Szenario der Quelle: Künstliche Intelligenz macht kognitiv noch einen Schritt. Was danach noch beim Menschen bleibt, zählt.

Eine Ausnahme, und sie ist eine Entscheidung. Der Umgang mit Menschen bleibt auf dem Stand von heute. Die Quelle zählt ihn zu den kognitiven Fähigkeiten und senkt ihn mit; das ist aber eine Annahme darüber, ob Menschen eine Maschine als Gegenüber annehmen — nicht darüber, was Technik kann.

Diese eine Setzung bewegt am meisten. Ohne sie stünden 99 von 464 Berufen in einer anderen Stufe; bei 52 hängt allein daran, ob sie „Wenig“ heißen. Das ist der größte Einzelhebel des Verfahrens, und wir halten ihn fest, statt ihn wegzulassen.

Zwei Rechenwege, die sich widersprechen dürfen

Das Wort entsteht aus zwei getrennten Rechnungen, und beide werden gegeneinander gehalten.

  1. Der erste Weg fragt: Wo bleibt ein Abstand? Je Gruppe zählt der größte verbliebene Abstand. Erreicht er eine Schwelle, trägt die Gruppe. Die Schwelle liegt dort, wo ein Fünftel der ursprünglichen Lücke übrig bleibt — eine Größe, die sich aussprechen lässt. Tragen zwei oder drei Gruppen, heißt der Beruf „Stark“; trägt keine, „Wenig“.
  2. Der zweite Weg fragt: Woran hängt das? Jeder Beruf hat zentrale Leistungen mit einer Wichtigkeit aus der Quelle. Eine Leistung hängt am Abstand, wenn eine ihrer zwingend nötigen Fähigkeiten in einem tragenden Bereich liegt. Trägt genau eine Gruppe, entscheidet dieser Weg zwischen „Gut“ und „Mittel“ — je nachdem, ob die wichtigsten Leistungen daran hängen oder nur Randaufgaben.
  3. Dann die Gegenprobe. Nennen beide Wege dieselben Gruppen? Wenn nicht, gilt der Beruf als uneinig. Das Wort bleibt trotzdem stehen, und der Widerspruch wird ausgewiesen statt geglättet. Wäre das Wort an die Aufgaben gebunden, würden Lücken im Aufgabenmodell zu schlechteren Wörtern führen — und die Gegenprobe fände nichts mehr, weil sie den Fehler vorher wegrechnete.

Mehrere Quellprofile, ein Ergebnis. Hat ein Beruf mehrere Entsprechungen, wird jede vollständig bewertet, und es gilt die niedrigste Stufe. Wir setzen kein Profil aus den Einzelwerten mehrerer zusammen — das ergäbe einen Beruf, den es nirgends gibt. Genau dieser Fehler steckte bis zum 17.09.2026 im Verfahren und ist seitdem behoben.

„Dicht an einer Grenze“. Steht das auf einer Berufsseite, haben wir dieselbe Rechnung noch zweimal gemacht, mit der Schwelle einen Rasterschritt der Quelle höher und tiefer. Ändert sich das Wort dabei, sagen wir es. Wörtlich heißt das: Läge der Quellwert einen einzigen Schritt anders, stünde hier etwas anderes.

Wie sich die Berufe verteilen

Gezählt im geltenden Lauf vom 20.9.2026, über 464 bewertete Berufe. Diese Zahlen kommen aus derselben Quelle wie jede Berufsseite.

Stark
122
von 464 Berufen
Gut
251
von 464 Berufen
Mittel
61
von 464 Berufen
Wenig
30
von 464 Berufen

Und was dabei unsicher bleibt. Wir zählen es mit und zeigen es an jedem betroffenen Beruf:

  • 55 Berufe stehen dicht an einer Grenze — ein Rasterschritt, und dort stünde ein anderes Wort.
  • 6 Berufe sind uneinig: Die beiden Rechenwege nennen verschiedene Gruppen. Bei ihnen zeigen wir die Aufgabenliste nicht.
  • 5 Berufe hängen an der Wahl des Quellprofils: Verschiedene Entsprechungen ergeben verschiedene Wörter.

Was der Faktor nicht sagt

  • Nicht, ob ein Beruf verschwindet oder bleibt. Eine Fähigkeitslücke sagt nichts darüber, ob ein Arbeitgeber die Arbeit trotzdem automatisiert, auslagert oder umbaut.
  • Keine Wahrscheinlichkeit und keine Aussage über einen einzelnen Menschen. Zwei Menschen im selben Beruf können sehr verschieden betroffen sein.
  • Kein Zeitpunkt. Der Faktor kennt „heute“ und „einen Schritt weiter“. Wann dieser Schritt kommt, sagt er nicht — und die Quelle auch nicht.
  • Nichts über den Arbeitsmarkt, über Einkommen oder darüber, wie gefragt ein Beruf ist. Solche Größen sind für dieses Verfahren ausdrücklich ausgeschlossen: Ein Beruf wird nicht robuster, weil gerade Fachkräfte fehlen.
  • Nichts darüber, ob ein Beruf zu dir passt. Ein Beruf kann „Stark“ heißen und trotzdem schlecht bezahlt oder belastend sein.

Bezahlte Platzierungen von Bildungsanbietern haben auf den Faktor keinen Einfluss. Sie sind überall, wo sie erscheinen, als Anzeige gekennzeichnet. Der Faktor ist nicht käuflich.

Was wir nicht geprüft haben

Drei Dinge fehlen, und sie fehlen sichtbar:

  • Ein Lesetest mit Jugendlichen. Er war vorgesehen und ist nicht gemacht. Ob die vier Wörter bei der Zielgruppe ankommen, wissen wir also nicht.
  • Ein Abgleich mit einer unabhängigen Kennzahl. Möglich, vorbereitet, nicht durchgeführt. Fremde Kennzahlen dürfen bei uns neben dem Faktor stehen, nie in ihm.
  • Die offenen Einzelfälle aus der Liste oben. Sie sind gezählt und benannt, aber nicht aufgelöst.

Was vorher hier stand

Bis September 2026 trug jede Berufsseite eine Zahl von 1 bis 10. Sie stammte aus einer frühen, überwiegend KI-gestützten Vorrecherche über den gesamten Bestand. Sie war untereinander vergleichbar, aber nicht auf einzelne Quellen zurückführbar — und genau das soll der Faktor ändern.

Diese Zahl ist aus dem öffentlichen Teil verschwunden. Berufe, für die noch keine Einschätzung nach dem hier beschriebenen Verfahren vorliegt, haben keine Seite mehr, statt eine mit dem alten Stand zu zeigen. Einzelne Angaben aus der Vorrecherche stehen weiterhin auf den Berufsseiten — etwa im Abschnitt „Passt das zu dir?“ —, und dort steht dabei, woher sie kommen.

Ein Kompass, keine Glaskugel

Technik, Tätigkeiten und Berufe verändern sich laufend. Der StayNeeded-Faktor beschreibt deshalb keine feststehende Zukunft, sondern eine Einordnung auf dem jeweils verfügbaren Wissensstand. Neue Daten können dazu führen, dass sich ein Wort ändert — dafür ist das Verfahren als datierte Fassung angelegt, und jeder Lauf bleibt nachvollziehbar.

Verständlich nach außen, genau in der Methodik. Für komplexe Zusammenhänge stehen hier einfache Begriffe. Entscheidend ist nicht das Wort, sondern die Bedeutung, die danebensteht.

Fragen oder einen Fehler entdeckt? Schreib uns. StayNeeded-Faktor ersetzt keine Berufsberatung.

Die Stufen von oben nach unten: Stark · Gut · Mittel · Wenig. Fehlen die Quelldaten, steht Offen — dann gibt es keine Einschätzung, und wir erfinden keine.